Vorwort KaliforniAbenteuer: Keine Meilen, Keine Kamera, Keine Freundin
In wenigen Stunden ist es endlich wieder so weit: Wir, also ich (René), der intelligenteste Hund der Welt (Leo) und unser fetter Reisekoffer (dem wir keinen Namen gaben), heben wieder ab - diesmal in Richtung des amerikanischen Kontinenten, nämlich nach California, wo wir mindestens die Städte San Diego, Long Beach (beide in den USA) und Ensenada (Mexiko) besuchen werden. Die Reise, die irgendwie nur halbwegs geplant scheint - überhaupt auch viel zu spontan gebucht wurde, verspricht einige Spannung, die hier, sofern sich denn regelmässiger Internet-Zugang findet, täglich und ausführlich dokumentiert werden soll.
Ich muss zwar sagen, dass ich im Moment alles andere als in Reisestimmung bin. Zum einen macht mich die Tatsache traurig, dass Rhiannon, meine Freundin nicht mit mir in die USA fliegen, sondern in der Schweiz bleiben wird. Ich merke schon jetzt, wie sehr sie mir fehlt und es ist, als ob mein Herz nächstens brechen wolle. Dann war da gestern Abend noch dieser zermürbende Zwischenfall mit der digitalkamera: Um einfach und schnell ein paar Bilder machen lassen zu können, hatte ich mir doch noch spontan so ein Teil gekauft; aber ich war noch keine halbe Stunde Besitzer meiner eigenen Foto-Ausrüstung, als sie mir schon wieder abhanden kam - der Typ, der mich zunächst noch beim Einkaufen von schweizer Mitbringsln unterstützte, nahm sich die Freiheit, mit dem Gerät durchzubrennen, ohne dabei vom Blitz getroffen zu werden. Na ja, und abgerundet wird das Elend noch durch ebookers, dem Reiseportal, auf welchem ich meinen Flug buchte: Entgegen mündlichen Zusagen, die mir die Mitarbeiter vor meiner Buchung ausdrücklich machten, wurde mir ein Flugticket ohne Anspruch auf das Sammeln von Vielflieger-Meilen verkauft. Dies nervt vor allem darum, da ich nun noch etwas längr auf den Freiflug, der mir bei Erhalt von Meilen gewährt worden wäre, warten darf und an die 13000 Flugmeilen schlicht verpassen werde.
So, also, wird mein Kalifornien-Abenteuer starten: Ohne Flugmeilen, ohne Kamera, ohne Freundin. Ist es nicht ein Elend?
Wage erinnere ich mich noch an meinen ersten Flug nach San Diego, welcher bald drei Jahre zurück liegt. Auch damals war ich, glaube ich, vor dem Einsteigen alles andere als glücklich über meine Reisepläne. Auch damals war ich nur wenige Tage vor dem Abflug beraubt worden; ausserdem handelte es sich um eine lange Reise, die mich schlussendlich für sechs Monate von meinen alten Freunden in der Schweiz trennte - auch dies war ein Anlass zu Tränen. Und dann gab es noch irgendwelches Geplänkel betreffend eines US-Visums, welches dazu führte, dass niemand so recht wusste, ob man mich in die vereinigten Staaten würde einreisen lassen oder nicht. - In gewisser Hinsicht scheint es, als hätten sich meine Reisesorgen und -Anfechtungen in den letzten drei Jahren gar nicht so stark verändert?
Wenn ich dann weiter denke, kommt mir der Moment des totalen Wandels in den Sinn: Es gab da den Zeitpunkt, wo sich alle Sorgen auf einmal aufzulösen schienen. Es war ein Moment des Realisierens, dass da etwas ganz grossartiges bevor stand und des Aufmerkens, dass es grossartig sein würde, unabhängig davon, welchen Herzschmerz ich mir aus der Heimat mitnehmen würde. Zwar, wurde mir mit einem Schlag klar, würde ich meine Freunde nicht mehr sehen, jedoch auch nicht verlieren; zwar war ich beraubt worden, jedoch nicht meines Lebens; und zwar könnten mich die US-Zollbehörden möglicherweise gleich wieder nach Hause schicken, aber vorerst sass ich ja noch im Flugzeug und dieses hatte in genau diesem Moment seine Masse vom Boden gelöst und hob ab - MIT MIR!
Auch jetzt, wo mir diese Gedanken durch den Kopf gehen, spüre ich, wie sich meine Stimmung doch noch zum Guten wendet: Ich sitze zwar noch nicht in einem startenden Flugzeug, sondern lediglich auf meinem tollen, blauen, Bürostuhl und lausche dem Regen, der den Boden meines Dorfes liebkost. Wenige Autominuten von mir entfernt schläft Rhiannon, die nicht mit kommt; über mir fliegen Flugzeuge, deren Insassen Meilen sammeln, im Gegensatz zu mir. Und an einem mir böllig unbekannten Ort wird wohl auch ein bestimmter Typ abhängen, damit beschäftigt, doofe Bilder von seiner traurigen Umwelt zu machen - MIT MEINER KAMERA!
Aber bald wird mein Flugzeug trotz alledem abheben - Und Wieder MIT MIR! Und auch wenn Rhiannon nicht mit kommen kann, so werde ich nicht von ihr getrennt sein; und falls ich keine Bilder machen lassen kann, werde ich Töne und Texte sammeln; und was Ebookers angeht - Na ja, die haben ja noch 8 Stunden, um mein Ticket zu ändern
Auf jeden Fall wird die Reise wieder ganz grossartig - und mein Elend wird daran gar nichts ändern.
So! Und nun muss ich meinen Koffer fertig packen!