KaliforniAbenteuer 2: Vom Essen

Also versuchen Sie bitte gar nicht erst, mich zu fragen, wie und warum unser zweiter Tag so seltsam anfangen konnte; ich weiss nur, dass, als ich aufgeweckt wurde (von Geräusch meines Hundes Leo, der seinen Durst stillte), meine Uhr die Zeit mit einigen Minuten nach Vier ansagte. Als ich schliesslich aufstand, spürend, dass ich nun sowieso nicht mehr würde einschlafen können, entdeckte ich, dass die Uhr meines Computers die Meinung vertrat, es sei bereits einige Minuten nach neun. Eine der Uhren musste also falsch sein - aber welche? Wie findet ein blinder, vom Jetlang geplagter Reisender schnell heraus, ob es gerade früher oder eher später Morgen ist? Zugegeben: Es dauerte eine Weile, bis ich das Problem gelöst hatte, denn nicht einmal das Internet, welches mir in diesem Moment eine grosse Hilfe hätte sein können, schien in jenem Moment zu funktionieren. Es war dann das Telefon, welches meine traurige Vorahnung bestätigte: Der Computer hatte recht; meine Armbanduhr - zu welcher auch der extra gestellte Wecker gehörte - muss während der Nacht offenbar einen Rückwärtssprung von fünf Stunden gemacht haben. So kam es, dass ich nun auf einmal fast keine Zeit mehr übrig hatte, bis ich meinen Bus verpasst haben würde.
Ja, der Tag fing irgendwie turbulent an - und leider ohne inbegriffenes Hotel-Frühstück :-( Er endete jedoch dennoch mehr als befriedigend…


Als das Internet wwieder funktionierte, traf sofort eine E-Mail von Rhiannon, meiner Freundin, ein. Sie hatte mir einie nützliche Informationen zusammengestellt, etwa, wie lange ich vom Hotel zur Greyhound bus Station brauchen würde und ähnliches. Gerade diese hilfreichen Zeilen liessen mich realisieren, dass ich immerhin noch genügend Zeit hatte, meinen Koffer richtig zu packen, Leo zu füttern und ihm die Bäume nahe unseres Zimmers zu zeigen. Die bus-Station erreichten wir per Taxi, was etwa 15 Minuten dauerte und einen auffallend kleinen Bruchteil dessen kostete, was man in der Schweiz für ähnliche Taxidienste ausgeben müsste.
Die Reise im Bus selbst war ziemlich langweilig. Einzig Leo war offensichtlich dankbar für eine fünf Minütige Pause, die ungefähr eine Stunde nach Abfahrt eingelegt wure: Offenbar hatten die Bäume beim Hotel seinen Toiletten-Bedürfnissen nicht entsprochen und so pinkelte und pinkelte und pinkelte er schliesslich auf einer anderen Grünanlage irgendwo zwischen San Diego und Longbeach.

Daniel Kish trafen wir kurz nach Eintreffen an der bus-Station. Gemeinsam gingen wir erst mal zu ihm nach Hause, wo es frisch gepflückte Orangen und Bohnen als eine Art Frühstück-Ersatz zu essen gab. Wir hatten uns für längere Zeit nicht mehr gesehen und somit gab es alles mögliche zu diskutieren - Allerdings noch keine Seminar-Bezogenen Fragen, sondern einfach alles andere. Leo genoss in der Zwischenzeit, in Dan’s verwildertem Garten umherzurennen. Im Verlaufe des Nachmittags verliessen wir dann sein Haus, um einige Einkäufe zu erledigen und schliesslich bei einem chinesischen Restaurant einzukehren. Dort wurde ich mal wieder so richtig satt - genau so, wie ich es mir nach all den Flugzeug-Malzeiten gewünscht hatte. Zwar habe ich keine ahnung, warum ich jedes Mal, wenn ich die Staaten bereise, chinesisch essen gehe - nicht, dass daran etwas schlechtes wäre, aber irgendwie lustig ist es schon…

Wie man erwarten darf, fühlten wir uns einigermassen faul nach einem solch grossen essen und wir entschiede, einen entsprechend faulen Weg nach Hause zu nehmen: die Idee wäre gewesen, dass wir die nächste bus-Station gesucht hätten und von dort mit dem bus nach Hause gefahren wären. Leider begegneten wir auf unserem Wege nun aber keiner Bus-Station. Und - was noch seltsamer war - auch Dan’s Haus war nicht mehr auf diesem Weg zu finden. Wir fanden dann, nach einem eher langen Spaziergang, heraus, dass wir unbewusst eine Abbiegung genommen haben mussten und also auf dem völlig falschen Weg unterwegs waren. Ich war froh, dass Daniel sich in Longbeach so gut auskannte und einen bemerkenswert guten Orientierungssinn besass. Er fand ziemlich bald den richtigen Weg zurück und von da brachte er uns wieder auf die ursprüngliche Strasse. Bevor wir ins Haus zurück kehrten, besuchten wir ein weiteres Restaurat, wo mein Magen mit eines Apfelkuchens definitiv voll gestopft wurde und mein Hunger für die nächsten paar Jahre gestillt schien.

Negativerweise war ich, als wir bereits nach sieben Uhr nach Hause kamen, aufgrund des vielen und schweren Essens absolut nicht mehr in Seminar-diskutier-Stimmung, sondern nur noch müde. Wir entschieden daher, die Sitzung auf morgen zu verschieben und dafür heute früher als sonst schlafen zu gehen. Zuvor brachte ich jedoch endlich noch eine Telefonverbindung mit Ensenada zu Stande. Zwar war Melissa selbst gerade nicht da, aber ein freundlicher junger Mann namens Giezi , der sich sogar noch von früher an uns erinnerte, erklärte mir, Melissa habe ihm den Auftrag gegeben, mich am kommenden Tag um 18:30 Uhr in San Diego abzuholen. So wissend, was ich also morgen zu tun hätte, fühlte ich mich erst echt danach, friedlich einzuschlafen; und als dann, noch nicht wissend, dass ich gerade eben mit Ensenada telefoniert hatte, Melissa selbst auf mein Mobiltelefon anrief, um mir so ziemlich alles zu sagen, was ich bereits von Giezi wusste, war meine Laune definitiv nicht mehr zu schlagen.
Ich schlief dann ein, egleitet vom Klang von Flugzeuen, die vom namen Los Angeles Flughafen abflogen resp. diesen anflogen. Ihre Geräusche nervten mich zwar nicht, mussten jedoch dennoch prägend auf mich gewirkt haben, denn einmal mehr träumte ich in jener Nacht von Leo und mir, die wir in einem von ihnen unterwegs waren…

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