Versuch eines Neustarts
Tja - ist doch erstaunlich, wie schnell 17 Monate vergehen können, in denen ich keine einzige Zeile in meinen Blog geschrieben habe. Erstaunlich - und irgendwie auch enttäuschend
Natürlich habe ich für die grosse Verspätung eine ganze Menge toller Ausreden, aber ich will gar nicht anfangen, sie aufzuzählen, zu Mal keine davon wirklich zur wirklichen Entschuldigung taugt. Aber jetzt möchte ich eigentlich wieder anfangen, regelmässig (und zwar regelmässiger als jährlich) Bericht meines Daseins zu geben!!!
Was Sie alles verpasst haben, während ich nicht geschrieben habe?
Na ja - eigentlich nicht viel. Im April, nach dem Ende meines KaliforniAbenteuers, zogen Leo und ich zum ersten Mal in unserem Leben alleine in eine Wohnung, gelegen im schönen Fischermätteli-Quartier in Bern. Das Einrichten und Einleben war herausfordernd, aber machte immer gewaltigen Spass. Rhiannon und viele andere Leute halfen uns beim Einrichten - es war toll.
Im Sommer fanden die erwähnten Seminare mit Dan Kish von World Access for the Blind statt. Dan Kish blieb für beinahe einen Monat in der Schweiz. Besonderer Vorteil: Er brachte mir einige hilfreiche Kochtricks bei, wohl zum Ärger meines Mikrowellengeräts, welches ich nun etwas weniger häufig einsetzte
Ende Sommer flog Rhiannon in die USA zurück. Ich möblierte meine Wohnung weiter - war zu dieser Zeit gerade bei einem Schreibtisch angelangt.
Im Movember telefonierte ich mit Jack Oppenhuizen, den ich während Reise nach Kalifornien kennen gelernt hatte. Er erzählte mir von einem neuen Projekt, welches die Universität der Nationen in Kona, Hawaii starten wollte. Ich verstand damals, dass es grundsätzlich um die Idee gehe, behinderten Menschen den Zugang zu Missionsarbeit (Training und Einsätze) zu ermöglichen und die Universität der Nationen für Behinderte zugänglich zu machen. Er bat mich, zu prüfen, ob ich bereits im Januar 2007 nach Kona kommen könnte, um während zwei Jahren am Aufbau dieses Projektes mitzuhelfen.
In Windeseile fing ich nun an, alles für eine baldige Abreise zu organisieren. Insbesondere sprach ich mit meinen Arbeitgebern, der Stiftung Zugang für alle und dem Team des Illusorialand Museeums, verschaffte mir einen Termin zum Antrag eines U.S. Visums bei der Amerikanischen Botschaft in Bern und fing an, Preise für Flugtickets zu prüfen.
Leider folgten dann immer mehr Verzögerungen. Zunächst wurde mir mitgeteilt, dass ich mich, vor meiner Anreise, offiziell um eine Mitarbeiterposition bei der Universität der Nationen bewerben müsse. Die Bewerbungsunterlagen standen leider nur in einem völlig unzugänglichen PDF-Dokument zur Verfügung und die Crew vom Büro für Mitarbeiter in Kona brauchte eine Weile, bis ich mich endlich telefonisch bewerben konnte. Jack hatte in der Zwischenzeit entschieden, einen Projektstart im Sommer vorzuziehen, auf Ende des offiziellen Schuljahres. Und dann waren da noch einige mühsame Momente, bis ich herausgefunden hatte, wie Leo, mein Blindenführhund, nach Hawaii zu importieren war, ohne dass er vorgängig in eine Quarantänestation gebracht werden musste.
Im April 2007 - ich war dann immer noch IN der Schweiz - verursachte Leo beinahe einen Unfall, als er aus nicht erkennbaren Gründen aus einem Wald direkt auf eine viel befahrene Strasse rannte. Das Erlebnis war einschneidend, jedoch für seine führtätigkeit in keiner Weise schädigend, wie einige zusätzliche Trainingstage zeigten.
Es wurde Juli 2007. Endlich war meine Bewerbung durch und ein offizieller Bestätigungsbrief der Universität vorhanden. Leider dauerte es nun noch einmal mehr als einen Monat, bis ich mich bei der U.S. Botschaft für ein Visum bewerben konnte. Zur gleichen Zeit fand ich ein junges Paar, welches sich bereit erklärte, meine Wohnung für zwei Jahre unterzumieten. Die Möbel werden nun also von ihnen genutzt und mir wurde das lästige Auflösen des Haushaltes erspart.
Es gab dann noch ein, zwei Zwischenspiele vor dem Abflug. So meldete sich z.b. eine für die Schweizerische Invalidenversicherung verantwortliche Person, um mir mitzuteilen, dass der Export von Hilfsmitteln (zu denen auch Leo gehört) verboten sei. Als Antwort darauf schickte ich einen Brief, in welchem ich erklärte und bewies, wann und dass ich, MIT HILFSMITTELN, wieder in die Schweiz zurück kehren würde. Bislang blieb jegliche Antwort aus. Falls jemand von der Invalidenversicherung dies hier liesst und Leo abholen möchte, ist ja jetzt klar, wo man uns findet.
Am 17. September flogen Leo und ich dann endlich ab. Zunächst nach San Diego, wo wir zwei tolle Tage verbrachten, dann nach Los Angeles, und am 20. September dann endlich nach Kailua Kona, Hawaii.
Also wie gesagt: Es ist nicht so viel passiert - aber das Passierte war extrem wichtig, da es mich an den Ort brachte, wo ich heute bin.
Und was wir hier nun genau machen, erzähle ich dann nächstes Mal!